Nach einem ereignislosem Flug über den pazifischen Ozean, landeten wir in Nuku'alofa und wurden von der willkommenen schwülen Wärme empfangen. Wir merkten gleich den Unterschied zum Flughafen Auckland, nicht nur die Temperatur war anders, sondern auch die Beamten entspannter und ein wenig afrikanisch. Recht ernüchternd war die Fahrt zu unserer Unterkunft, Tonis Guesthouse, da die Straßen und Dörfer dreckig und baufällig waren – das letzte Stück Dreckstrasse wäre ich nicht ohne Allradwagen gefahren, aber unser Fahrer Peter fuhr unseren Minibus sicher bis zum Ziel. Anders als erwartet, lag Tonis Guesthouse weder an einem idyllischen Strand noch in Stadtnähe, sondern in einem der benachbarten Dörfer. Auch der Zustand unseres Zimmer war recht primitiv aber nach ein paar Minuten wurden wir wieder aus dem Zimmer geholt und in ein schöneres Zimmer in einem anderen Haus verlegt (das erste Zimmer war für andere Gäste reserviert). Nach einer kurzen Pause, fuhren wir mit dem Shuttle in die Stadt, die auch ziemlich herunterkommen aussah. Der erste Tag war also ein wenig schockierend und unsere Erwartung vom Inselparadies wurde nicht wirklich erfüllt.
Dann aber kam Tag 2, an dem wir Tonis Inseltour buchten und mit Peter und einem neuseeländischem Ehepaar über die Insel tuckerten. Erst die beeindruckenden Blowholes, wo mit jeder Welle die Gischt in die Luft sprühte, dann sahen wir eine Frau die einen Tapa* herstellte, aßen Fish & Chips zum Mittag und besuchten anschließend eine Tropfsteinhöhle, in der wir schwimmen konnten. Das Wasser war glasklar und türkisblau, ging mehrere Meter tief, um uns herum die Tropfsteinsäulen und über uns schwirrten die Fledermäuse. Das war eindeutig das Highlight des Tages! Interessant waren die Landing Sites von Captain Cook* und die der ersten Missionare, wo die Europäer mit ihren Schiffen anlegten. Anschließend schauten wir uns noch eine Stonehenge-artige Steinbrücke und ein paar Gräber an. Während dieser Zeit freundeten wir uns mit Richard & Melanie an, die auch Christen sind und Pilot & Ärztin sind – und sehr sympathisch! Sie erzählten dass sie Abends zu einem Feast gehen wollten; ein Kulturabend mit viel zu essen. Wir entschieden uns also auch dafür und bereuen diese Entscheidung nicht.
An einem Strand mit Höhle gelegen, kamen 240 Gäste, darunter viele Tonganer und der Premierminister, zusammen und setzten sich in den Pavillon. Zu Essen gab es allerlei tonganische Spezialitäten, darunter: Schwein am Spieß, frischer roher Fisch (lecker!), Muscheln, Seegurke, Süßkartoffeln, Maniok, Corned Beef in grünen Blatt und Meeregewächs. Bis auf die Seegurke, hat alles lecker geschmeckt und wir bekamen einen Einblick in die tonganische Esskultur - und wir bekamen keine Magenprobleme! Im Anschluss wurden tonganische Tänze in der Höhle aufgeführt, die Männer tanzten aggressiv und tobten rum während die Frauen mit sanften, grazilen Bewegungen tanzten (kein aufreizendes Hüftschaukeln ;). Der Chef des Ladens erzählte dabei ein paar interessante Dinge und rief am Ende die Feuertänzer auf, die echt gut waren.
Am Tag darauf fanden wir das ersehnte Inselparadies! Mit Richard & Melanie fuhren wir 10 Minuten mit der Fähre zu der nahegelegenen kleinen Insel Pangaimotu. Diese hat einen schönen Strand, kann in einer halben Stunde zu Fuß umrundet werden, hat ein leckeres Restaurant und ein versunkenes Schiffswrack, dessen Bug noch senkrecht aus dem Wasser ragt. Dort haben wir uns entspannen können und haben einige bunte Fische beim schnorcheln gesehen. Oh, und das Essen dort war so lecker - es gab Fischburger, Fritten, Salat und einer Trink-Kokusnuss! Wir fanden die kleine Insel so schön, dass wir insgesamt vier Mal da waren.
Sonntags fährt eine Fähre auf die Insel Royal Sunset/Atata und es wird dort ein Buffet angeboten, also entschieden wir uns dafür. Man muss dabei sagen dass Sonntags wirklich nichts geöffnet hat, auch nicht die Kaffees oder Restaurants. Die Insel und das dazugehörige Ressort waren zwar schön, aber dadurch dass auf der Insel auch ein kleines Dorf ist, war der Strand hinter dem Ressort ganz schön zugemüllt. Mona ist mit einer Gruppe zu einem Riff gefahren, wo sie schnorcheln war und dort viel sah. Tags darauf fuhren wir auch noch zur Insel Fafa, wo Deutsche ein Ressort besitzen und dieses entsprechend gut pflegen. Just am selben Tag sollte eine Hochzeit von einem älteren Pärchen aus Neuseeland stattfinden und so waren der Pastor und seine zwei Kids mit in unserem Boot. Strand und schnorcheln waren toll und irgendwann begegneten wir den zwei Pastorenkids, die uns ein bisschen das Inselchen zeigten und cool drauf waren. Hinterher sahen wir auch noch den Ausklang der Hochzeitszeremonie und schon war die Zeit vorbei.
Donnerstag sollte dann der Flug nach Auckland gehen, doch kurzerhand erfuhren wir dass dieser wegen der chilenischen Aschewolke gestrichen war. Um sicher zu sein dass wir nichts verpassen, fuhren wir trotzdem zum Flughafen und redeten mit den Sachbearbeitern. Ein Flug mit Air New Zealand (die trotzdem flogen) wäre viel zu teuer gewesen und unser Kiwi-Van stand auf dem Flughafenparkplatz in Auckland und kostete Geld. Nach langem Gerede sagten sie, dass wir in einem Hotel untergebracht würden. Das Dateline Hotel war mal das Beste der Stadt, aber das war vor langer Zeit. Heute besitzen es Asiaten, die es haben herunterkommen lassen und, trotz hoher Preise, nicht so nett wie Tonis ist. Wir waren jedoch dankbar dass wir dies nicht bezahlen mussten und genossen noch ein paar Tage im Paradies.
Und dann kam Sonntag: wir entschieden uns für die Kirche in die auch der König, George Topou V, geht und genossen die tolle Musik. Wir hatten lebhafte Chöre wie in Afrika erwartet, es glich aber eher der Musik der Westminster Cathedral – mit Blasorchester und melodisch sehr vielfältig. Von der Predigt (auf Tonganisch) verstanden wir nicht so viel – war aber eine tolle Erfahrung! Hier kannst du dir eine Aufnahme der Musik anhören (sorry, Qualität ist nicht so toll):
Abends übernachteten wir noch mal bei Tonis, da Pacific Blue nur drei der vier Nächte zahlte. Bei unserem vierten Besuch auf der Insel Pangaimotu, bekamen wir die Nachricht dass der Flug am Abend wieder storniert sei, diesmal wegen einer technischen Panne, wir waren echt genervt. Toni fuhr uns gleich zum Büro von Pacific Blue mit dem Ergebnis, dass unsere Nacht bei Tonis bezahlt wurde und wir ein Essen sogar dazu bekamen – das machte dann alles wieder gut und am kommenden Tag flogen wir dann glücklicherweise nach Auckland.
In Auckland kamen wir ohne Probleme durch die Passkontrolle und gingen durch Biosecurity. Wegen der gefährdeten endemischen Planzen-/Tierarten und der Landwirtschaft, dürfen keine Nahrungsmittel oder Tierprodukte undeklariert mitgeführt werden. Da wir Essen und Souvenirs dabei hatten, gaben wir alles an und gingen brav zur Durchsuchung – alles ging gut. Dann kam der letzte Check mit Röntgengerät, wo ein vergessener Apfel in Monas Tasche entdeckt wurde. Am Schalter eines Beamten wurde uns gesagt dass wir $400 (€220) Strafe zahlen müssten da wir den Staat betrogen hätten (die sind echt knallhart). Mona erklärte unter Tränen dass dies ein Versehen war und dass wir doch Essensbesitz auf unserer Karte angekreuzt hätten – nach langem Hin und Her beließ er es bei einer schriftlichen Verwarnung. Zugleich dankbar und angenervt gingen wir zu unserem Kiwi-Van, in den niemand eingebrochen war und sich auch starten lies.
Noch ein paar Dinge die uns über die Tonganer aufgefallen sind: sie sind sehr freundlich und offenherzig! Mit dem einheimischen Personal bei Tonis haben wir uns sehr gut verstanden. Sehr positiv fand ich, dass man auf dem Markt allein gelassen wird – in Malawi versammelt sich eine Traube Menschen um einen herum, bevor man den Markt überhaupt erreicht hat. Auf Tonga werden gelassen die Produkte angeboten und einem nicht aufgedrängt. Die Tonganer haben sehr starke Familienwerte – Eltern dürfen bis ins hohe Alter noch ihre Kinder schlagen uns sich Respekt einfordern. Auch sind sie keine Arbeitstiere... ein bisschen arbeiten reicht und dann kann entspannt werden. Leider ist dies sehr in der Infrastruktur und Wirtschaft des Landes sichtbar und es muss schwierig sein wenn man Projekte dort durchführen will. Die Chinesen kommen einfach mit ihren Bautrupps und verbessern die Infrastruktur – da der Staat keine Verträge schließt, bleiben die Resultate in chinesischem Besitz. Von der Ernährung her gilt: Big is Beautiful; das gilt für beide Geschlechter. Mit schlechter Ernährung und Bewegungsmangel einher gehen gesundheitliche Probleme, die häufig vorkommen. Für uns war die Zeit auf Tonga bereichernd und entspannend, aber nach knapp zwei Wochen waren wir glücklich wieder in Auckland zu sein.
- Tapa: Meter-langer papyrus-ähnlicher Stoff der aus Maulbeerholz-fasern hergestellt und anschließend bemalt wird. Er wird zu Hochzeiten oder Beerdigungen verschenkt und ist kulturell tief verankert. Wer keinen im Haus bereit hat, gilt als arm.
- Corned Beef: Geliertes Rindfleisch in der Dose – einst durch Engländer verbreitet, ist es jetzt eines der Lieblingsessen der Tonganer. Man sieht die rot-gelben Dosen in jedem Miniladen stehen.
- Captain Cook: Wäre fast in Tonga draufgegangen. Ein Fest wurde veranstaltet um ihn und seine Crew dabei zu killen. Wegen einer Streitigkeit zwischen dem Häuptling und seinen Männern, wurde der Plan nicht ausgeführt und Cook war beeindruckt über die Freundlichkeit der Einheimischen. :-)