Ein Freund der Familie Kniesz arbeitet als Verkäufer und Offroad Coach bei einem Toyota Händler und bietet geführte Touren in Medellin und Umgebung mit seinem fett ausgestattetem Geländewagen an. Mit ihm, Rafael, haben wir 5 Tage lang verschiedene Touren in der Umgebung von Medellin gemacht und das "wir" waren Sammy und Micha, ein Kollege von Sammy, und wir beide. Einige Leser haben bestimmt noch die Bilder und Nachrichten von Escobar und dem Medellin Kartell im Hinterkopf und wissen das Familie Kniesz diese Zeit noch voll miterlebt hat. Diese Zeiten sind noch nicht so lange vergangen, es ist aber krass wie stark sich die Region zum positiven verändert hat - der ehem. Präsident Uribe hat sehr stark aufgeräumt sodass das Chaos aus Paramilitär (private Sicherheits-milizen) und Guerillia (FARC/ELN) nur noch in entlegenen Regionen Thema ist. Die Gebiete die wir besucht haben waren noch vor wenigen Jahren höchstgefährlich und verlassen, haben sich jetzt aber sehr erholt. Einzig der Regenwald leidet darunter da dieser für Weideflächen und Mineralienabbau gerodet wird.
Am ersten Tag sind wir zusammen zum Rio Claro gefahren, wo ein Finca Besitzer hektarweise Land an o.g. Fluss ankauft um den Regenwald zu schützen und für Ökotourismus zu verwenden. In einem benachbarten Steinbruch wird der reichlich vorhandene Mamor abgebaut, welcher sonst hoch mit Regenwald bedeckt, den Flusslauf säumt. Dort angekommen, haben wir erst eine kleine Wanderung entlang des Rio Claro (klarer Fluss - Name ist Programm) gemacht und eine Handvoll Überhänge/Höhlen mit Stalaktiten/-miten bestaunt. An einer Stelle sind wir durch den Fluss gewatet um in eine Höhle mit Bachlauf zu klettern. In der Region bewohnen Fettvögel die Höhen und machen sich durch sehr ungewöhnliches und lautes kreischen und schnattern bemerkt - Geisterbahnfeeling in der Natur :-)
Nach einem guten Mittagessen, haben wir noch eine 2-Stündige Rafting Tour gemacht, wobei die Strömung so langsam war dass diese sehr entspannend war und wir viele Vögel und einen Leguan bestaunen konnten. Ein spannender Zwischenhalt war die Ruine einer, auf einer Insel gelegenen, Finca von Escobar. Nach seinem Tod wurde diese vom Paramilitär, in der Suche nach vergrabenem Geld auseinander genommen - die Zeugen einer vergangenen Zeit verschwinden schnell, da diese vom Urwald zurückerobert werden. In den Fluss sind wir an zwei verschiedenen Stellen reingesprungen - einmal von einem Seil und das andere Mal aus 8-10m Höhe, was Toby viel Überwindung gekostet hat. Anschließend haben wir am Fluss gecampt und die Geräuschkulisse und das Blinken der Glühwürmchen genossen.
Tag Zwei sind wir über Schotterpiste an den Rio de Miel (Honigfluss) gefahren und dort dann 5 min auf einem Bötchen zu unserem Stelzenhaus gefahren. Den Rest des Tages haben wir damit verbracht mit dem Bötchen und unserem einheimischen Käpt'n Carlos den großartigen Fluss rauf und runter zu schippern. Er hat uns auch ein bisschen über die Interaktion zwischen Bevölkerung und Fluss erzählt. Ein Staudamm im oberen Flussverlauf erzeugt Strom on-Demand, wodurch der Wasserpegel stark schwankt - bestellt ein Stromlieferant eine große Menge Strom, fließt so viel Wasser dass Fischen fast unmöglich ist. Am Fluss weiden viele Rinder, leben tropische Vögel und leben Otter; außerdem bezahlt der Staat kleine Boote die als Schulbusse dienen. Im Rio de Miel konnten wir wieder mal von einer Brücke springen und uns dann immer mal wieder im Wasser durch den Urwald treiben lassen und Luna, einen domestizierten Otter, streichel und von ihm anknabbern lassen. Übernachtet haben wir in einem Haus auf Stelzen, wo wir unter Mückennetzen wunderbar schlafen konnten, nach dem uns Maria, die Frau des Major Domos, unser mitgebrachtes Essen zubereitet hat.
Aus Neuseeland wurden wir von Sandflies traumatisiert - kleine Biester die am Fluss brüten, langsam fliegen und sich mit vorliebe auf Menschen stürzen und ordentliche Stiche hinterlassen. Jetzt wissen wir das NZ nicht das einzige Land mit den Viechern ist - Monas und meine Beine waren (und sind noch) übersäht mit Stichen da wir uns zu spät mit Mückenschutz eingesprüht hatten.
Tag Drei war Action Pur da es in der Nacht geregnet hatte und die Schotterpisten zum Teil in Schmierseife verwandelt hat und wir drei Jungs abwechselnd fahren durften. Rafaels 4x4 war durch seine hohe Bodenfreiheit, breiten Reifen und Automatikschaltung schon sehr angenehm zu fahren - der gelegentliche Motorradfahrer hatte schon sehr stark mit dem rutschigen roten Lehmboden zu kämpfen. Rafael hatte bewusst eine abenteuerliche Strecke gewählt um durch das Hinterland zur Hacienda Napoles (dem ehem. Wohnsitz von Pablo Escobar) zu fahren. An einer Stelle mussten wir sogar kehrt machen und einen anderen Weg wählen da Goldschürfer die Umgebung so sehr umgegraben haben, dass man nur noch mit einem Kettenfahrzeug eine Chance gehabt hätte. Die Arbeiter brandrhoden den Regenwald und tragen dann die Hügel ab und durchspühlen die rote Erde nach Nuggets; vermutlich kein sehr erträgliches Geschäft. Sie hinterlassen klaffende rote Wunden im einst reichen Regenwaldgebiet und die starke Erosion tut ihren Teil - Wiederaufforstung ist hier kein Thema. Nach einer kleinen Höhlenwanderung bei den gespenstigen Fettvögeln und einem Bad im Fluss auf dem Areal der Hacienda Napoles, ging es zurück nach Medellin.
Der vierte Tag mit Rafael führte uns in das Gebiet rund um den El Penol, einen riesigen markanten Steinhügel (ähnlich dem Zuckerhut in Rio de Janeiro) von welchem man eine tolle Sicht auf den gigantischen Stausee hat. Dieser besteht nicht aus einer einzigen großen Wasserfläche sondern aus vielen kleinen Inseln und die Region sieht ein bisschen norwegisch aus. Auf dem Pinol haben wir eine regionale Besonderheit ausprobiert: Cerveca Michelada. Das ist ein (beliebiges Bier) mit Limette und einem mit Salz bedecktem Glasrand - spannend aber auch nicht so lecker ;-). Im Anschluss sind wir bei Schotterpiste und Regen via dem romantischem Städtchen Conception wieder Richtung Medellin gefahren. Unterwegs trafen wir auf eine liegen gebliebene Motorradpritsche; Rafael der sehr Hilfsbereit ist, hat ihn dann in die nächste Stadt abgeschleppt, was über eine Stunde gedauert hat.
Am fünften Tag hat sich mit ihren ehemaligen Klassenkammeraden getroffen, sodass wir zu viert entlang der Via Lactera (Milchstrasse) gefahren sind. In der leicht alpinen Region wird viel Viehzucht betrieben wird und sie sieht auch recht europäisch aus da fast ausschließlich Holstein Kühe kultiviert werden. In San Predro de las Milagros haben wir uns die Pilgerkirche Basílica del Señor de los Milagros angeschaut, wo mich besonders die Gemälde an der Decke Fasziniert haben da dort Szenen aus der Bibel sehr groß und bunt dargestellt werden und Gegenstände & Personen aus Lateinamerika dargestellt werden. Auf einer benachbarten Farm/Themenpark hatten wir Jungs dann noch Actionprogramm: Pferdereiten, Quadfahren und eine kurze Abfahrt mit einer Zip-Line. Zum Abschluss der schönen Zeit waren wir dann gemeinsam mit Rafael Mexikanisch essen und haben uns herzlich voneinander verabschiedet.
Wenn du auf folgendes Bild klickst, kommst du zum Album - sind sehr viele Bilder geworden ;-)
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